01 Jan

Verrat

SL Karsten

Oder: Verrat und Geburt an den Olympia-Hallen

Ernst-August hat von Alberich für den Herbstmantel einen adäquaten Gefallen erhalten: Das Wissen darum, wie er seine in Ungnade gefallene Frau Agnes von Windsor rehabilitieren kann. Die Informationen beinhalten ein Ritual, mit dem man das Kind vom Wintermantel befreien kann, indem ein Verwandter das Kind mit Magie tötet. Die Alternative, eine normale Geburt, würde die Mutter das Leben kosten, und den Teil des Wintermantels im Kind belassen.

In Berlin ist Josefine hochschwanger und kurz vor der Geburt. Sie verschwindet aus ihrer Wohnung und Jeans Obhut, um ein Neugeborenes zu töten, denn der Hunger in ihr lässt sich von älteren Menschen, deren Lebenskraft nicht mehr so stark ist, nicht mehr stillen – sie muss sich von Kindern ernähren, und sie kann sich nicht mehr zurückhalten. Tatsächlich beginnt das Kind in ihr, sich von Josefine zu ernähren und sie langsam zu töten. Die mystischen Prognosen für die Geburt bestätigen Alberichs Worte: wird dieses Kind geboren, muss Josefine sterben.

Ernst-August und Jean suchen nach Alternativen, die Mutter UND Kind retten, doch beider Priorität liegen auf der Mutter. Auf der anderen Seite gehen Josefines Hormone mit ihr durch, sie versucht um jeden Preis, ihr Kind zu bewahren.

Ernst-August, Alex und Jean gehen einen Handel mit Agnes ein: Sie bringt den Winter-Knight zuverlässig an eine bestimmte Stelle, damit Jean ihn so weit in Bedrängnis bringen kann, dass er auf die volle Macht des Wintermantels zurückgreifen muss – auch den Teil, der im Kind ruht. Das Ritual, das Alex und Ernst-August parallel abhalten, soll Mutter und Kind soweit schützen, dass man sie retten kann. Der Preis dafür: Das Kind soll Agnes übergeben werden und bei ihr aufwachsen. Im Gegenzug soll Ernst-August mit Agnes ein Kind zeugen, das wiederum in der Familie von Richthofen aufwächst. Jean wird beider Kinder Pate.

Als Josefine von den Plänen Wind bekommt, ist sie verzweifelt: man hat sie zu dem Schicksal ihres eigenen Kindes nicht einmal befragt. In ihrer Not ruft sie ihren Vater zu Hilfe und verrät den Plan der Freunde –  gibt dabei aber zu, dass alles geschieht, um ihr Leben zu retten. Der Vater, Manfred Alexander von Richthofen, schreitet zur Tat und zieht alle weißen Vampire der Familie ab, um eine schlagkräftige Armee aufzustellen. Sein Hauptgrund: Jean nimmt ihm in Berlin zum wiederholten Mal das Heft der Entscheidungsgewalt aus der Hand. Er muss handeln, um nicht als Witzfigur in der eigenen Familie dazustehen. Doch Jean wird misstrauisch und verlegt den Ort des Rituals kurzfristig.

So kommt es, dass alles geschieht wie geplant. Alex und Ernst-August halten das Ritual ab. Agnes bringt den Winterritter. Jean geht mit ihm ins Duell. Josefine opfert rituell ihre Fruchtbarkeit. Die Geburt schreitet fort, Josefine stirbt für einen kurzen Moment. Das Teil des Mantel des Winterritters wird gleichzeitig aus dem Kind herausgesogen.  Alex nimmt das Kind auf und überreicht es Agnes, obwohl Josefine sie anfleht, es nicht zu tun.

Doch ein feines Detail läuft falsch: Von Alex‘ Angriff umgeworfen und von Jeans Schwert durchbohrt stirbt Lloyd Slate durch Jeans Hand. Der Wintermantel löst sich vollständig und schwebt frei; Alex schubst ihn mit einem Windstoß vom Kind weg – direkt auf Jean zu. Der wird umhüllt und akzeptiert dessen Bürde.

Agnes verschwindet mit dem Neugeborenen ins Nevernever. Ihre letzten Worte an Ernst-August: „Die eine Seite des Handels ist erfüllt. Nun muss die andere Seite gewahrt werden.“

Als der Hof der Weißen Vampire erscheint, öffnet Ernst-August ein Tor nach Arctis Tor. Er streckt der völlig geschwächten, verzweifelten und wütenden Josefine die Hand hin und beschwört die Freundschaft der kleinen Gruppe. Mit der Aussicht darauf, ihr Kind zu sehen, folgt Josefine trotz ihres Verrats.

In Arctis Tor jedoch ist alles anders. Das Kind ist nirgendwo zu finden. Mab hält Hof für die Inauguration des Winterritters. Der Winterhof wartet nur auf einen Fehler des neuen Ritters und testet seine Macht aus. Während Josefine einen Sidhe verführt und herausfindet, wo Agnes ist – sie steht als Eisstatue im Wintergarten von Königin Mab.

Mab hat dadurch, dass sie Agnes eingefroren hat, sämtliche Lehnspflichten ihrer Lehnsfrau auf sich genommen. Dazu gehören die Sorgfaltspflicht für Josefines Kind – aber auch das Zeugen eines neuen Kindes mit Ernst-August, das dann der Familie von Richthofen gegeben wird.

Die Geschichte wiederholt sich also: Erst vollzieht Mab mit dem Winterritter die rituelle Hochzeit auf dem Stein des Sehens, bei dem alle mystischen Wesen auf magische Weise zuschauen können, dann leistet Ernst-August Mab den Beischlaf. Ein Kind wird gezeugt, dass aus den Ehepflichten entspringt und doch nicht Agnes‘ Schoß entspringt.

Man kehrt in dem sicheren Verständnis nach Berlin zurück, dass sich alles verändert hat – auch die Beziehungen zwischen den Freunden.