15 Jan

Die Jungfernfahrt der Titanic II

Brief von Jean-Claude an Ernst-August

Berlin, 9. April 2018, später Abend auf der Richthofen-Baptiste-Residenz

Mon trés cher ami Ernst-August,

Dein Diener Jakob sagt mir gerade am Telefon, dass Du nicht zu Hause weilst und er nicht wisse, wann Du wieder zurück sein würdest. Ich hoffe doch sehr auf Deine unverzichtbare Gesellschaft an meinem ersten Hochzeitstag morgen mit Josefine.

Das „hohe Fest”, das wir vor einem Jahr gefeiert haben – was für eine Farce. Nicht nur, dass sie mich direkt an unserer Hochzeit mit ihrer Jugendliebe betrog, was schließlich zu dem Desaster in Tromsö führte. Nein, das Jahr hielt noch weit mehr Überraschungen bereit. Und obwohl sie es versprochen hatte, konnte sie nicht aufhören damit, alles und alle zu manipulieren. Sie erträgt meine Menschlichkeit nicht. Hätte sie mit mir darüber geredet, ich hätte sie sogar verstanden. Sie ist noch so jung und will doch Königin sein. Ich weiß, dass sie meine Unterstützung braucht, die ich ihr doch schon immer gegeben habe. Aber mich ihrem Willen zu unterwerfen, zu versklaven … nachdem, was wir hinter uns haben. Das Gespräch im Hades. Ihre Beteuerungen … Immer nur so lange, wie es für sie adäquat bleibt. Und dann hat Alex, wie immer, meine geliebte Alex, mich erneut gerettet und den Bann auf sich genommen – was dazu führte, dass Björn in seiner Kurzsichtigkeit das Schwert der Hoffnung dem Untergang preisgab. 

Und jetzt soll also ein Jahr dieser Ehe „gefeiert” werden. Natürlich mit einem rauschenden Fest, darunter geht es nicht. Wie es sich für einen liebenden Gatten gehört, habe ich ihr einen Diamanten besorgt. Und nicht irgendeinen: Den Hope-Diamanten. Passenderweise wurde er im 17. Jh. von einem Namensvetter, Jean-Baptiste, in Indien gefunden. Angeblich soll der blaue Stein der indischen Gottheit Vishnu gehört haben und als er gestohlen wurde, soll sie alle Eigentümer verflucht haben. Ein treffliches Geschenk. Aber wie ich Josefine kenne, wird sie diesen Fluch einfach über andere bringen …

11. April 2019 Nachmittag auf der Titanic II

Ernst-August, lieber Freund,

schmerzlich vermisst. Ich hoffe, Du bist wohlauf. Jakob konnte immer noch nichts über Deinen Aufenthalt mitteilen. Ich vermute, Deine Gattin geruhte, nach Deiner Gesellschaft zu verlangen.

Es ist doch alles ganz anders gekommen. Ich sitze in meiner Kabine an Bord der Titanic II. Auf der Jungfernfahrt der selbigen. Am anderen Ende dieses elendigen Schiffes hat von Schwarzenberg, dieser widerliche Kretin, seine Kabine. Es kostete einige Mühen, nicht sofort mein Schwert in seinen Unterleib zu rammen. Doch ich greife vor.

Wir versammelten uns gestern in unserer Residenz, um mit unseren Freunden auf den ersten Hochzeitstag anzustoßen. Das wollten wir einen Tag vor der großen Feier tun. Dazu empfingen wir in unserem „Wellness”-Bereich, wie es wohl modern heißt. Josefine konnte so ihre, zugegeben superben, Formen in einem weißen Nichts am besten zur Geltung bringen. Zu unserer illustren Runde gesellten sich Alex, Christine – die Schwangerschaft steht ihr ganz hervorragend, sie scheint von innen her zu leuchten – und ein gewisser Helmut, auch ein Magier, ich glaube ein Praktikant von Alex. Alex hatte ich eine Weile nicht gesehen, wie immer erwärmte ihr Anblick mein Herz. Allerdings kann ich ihre Worte nicht vergessen. Das gezähmte Biest, nicht der Versager. 

Seit ich Mensch bin, sind die vielen Empfindungen, die ständig auf mich hereinprasselnd mehr als verwirrend. Mir war vorher nicht bewusst, wie bezaubernd Sommersprossen auf blasser Haut leuchten können, ohne, dass mich ein Hungergefühl überwältigt. Ich kann diesen Anblick einfach genießen. Ich sehe auch, wie schön ein altes Gesicht voller Falten strahlen kann oder wie wundervoll sich Wolken verformen. Hunger bekomme ich jetzt eher von dem Geruch frischer Brötchen statt von Schweiß – den ich sogar eher als abstoßend empfinde. Aber es ist auch mehr als schwierig, dieses Gefühlschaos zu bändigen. Die Umgebung als Beute, Feind, Verbündeter, nützlich oder uninteressant einzuordnen, vereinfacht ein Weltbild enorm. 

Zurück zum Eigentlichen: unserem Hochzeitstag. Ich überreichte Josefine den 46-karätigen Hope-Diamanten an einer weißgoldenen Halskette – und bekam die Quittung. Auch sie hatte sich ein gar fürstliches Geschenk überlegt. Einen Anzug aus feinstem Leder mit Drachenschuppenoptik – und auf dem Rücken eine Ziel-Markierung. Die einzige Stelle, an der ich verwundbar bin. Chapeau. Unserem fortwährenden Glück sind keine Grenzen gesetzt.

Die Einladung

Als wir gerade so schön beisammen waren, wurde ein Gast angekündigt. Ein Bote des Winterhofs wie sich herausstellte. Allerdings hervorragend getarnt. Ich glaube, es war Alex, die ihn durchschaute. Dieser Bote überbrachte uns jedem einzelnen eine Einladung – ja, er hatte sogar für Christine und Helmut eine persönlich adressierte dabei – zur Jungfernfahrt der Titanic II. Sie sollte am nächsten Tag starten. Und für Josefine und mich war die Hochzeitssuite reserviert. Ich gebe zu, ich hätte auch einen erneuten Ausflug in den Hades meiner Feier zum ersten Hochzeitstag vorgezogen, so fiel es mir nicht schwer, zuzusagen. Wie sich herausstellte, war die Gastgeberin eine gewisse Elizabeth Stuart – ob nur der Name an die Winterkönigin aus dem 17. Jahrhundert erinnerte? Nach einigem Hin und Her sagten wir alle zu.

Christine schien ein wenig verängstigt ob der Namensgebung des Schiffes und wollte von mir alle möglichen Zusagen für ihre Sicherheit. Ach, schwangere Frauen und ihre Eigenarten – man muss sie lieben. Um des lieben Friedens Willens rief ich schließlich bei Monoc Security an und wurde mit einem gut gelaunten Odin verbunden. Ich erfuhr mehr als staunend, dass auch dieser auf der Jungfernfahrt dabei sein würde. 

1. Tag: Gefährlicher Reiseantritt

Am nächsten Tag trafen wir uns erneut bei uns, um von hier gemeinsam zu starten. Außer Josefine und mir fuhren Alex, Christine und Helmut mit – ein Auto mit fünf Angestellten vervollständigte die Entourage. Doch kaum waren wir gestartet, überfiel Josefine ein unerklärliches Unwohlsein, ja fast Angst. Sie meinte, sie spüre etwas, das sie verfolge. Bevor wir halten konnten, spürten das auch andere – und plötzlich wurde unser Fahrer verletzt. Aus dem Nichts heraus. Wir konnten gerade noch anhalten und sprangen aus den Fahrzeugen, doch wir konnten unseren Angreifer nicht sehen. Diesem Helmut gelang es schließlich mit Magie, das Licht um den Angreifer irgendwie zu beeinflussen und wir konnten so wenigstens eine Art Umriss wahrnehmen. Auch Alex legte etwas über sie. Doch half das unseren Angestellten nicht, die alle angegriffen und brutal ermordet wurden. Wir kehrten umgehend zurück, nur um auf unserem Anwesen zu erfahren, dass auch dort ein Überfall stattgefunden hat. Alex besaß die Geistesgegenwart, einen Schutzkreis zu errichten, in dem wir alle, auch das Personal, Platz fanden. So hörten die Angriffe innerhalb dieses Kreises auf.

Helmut war indessen wohl zu einer Dönerbude gelaufen – das sind diese Imbiss-Häuschen mit traditioneller türkischer Küche, die tatsächlich ganz hervorragend munden kann – anscheinend kann Helmut aus den Ergebnissen dieser türkischen Kochkunst Wahrsagemagie entwickeln. Doch auch dort kam es zu blutigen Übergriffen wie er später berichtete. Die Magier konnten schließlich erkennen, dass auf der Einladung ein starker Schutzzauber von Mab lag, der erklärte, warum wir selbst keinen Schaden nahmen. So beschlossen wir, niemand anderen mehr in Gefahr zu bringen und augenblicklich durch das Niemandsland nach Dover aufzubrechen, wo das Schiff vor Anker lag. Unser Personal blieb einstweilen im Schutzkreis zurück. 

Titanic II: Unvermutete Gäste

Als wir letztendlich auf dem Schiff ankamen, erwartete Alex eine weitere Überraschung: Magier vom Weißen Rat waren anwesend und unterzogen alle Passagiere, die auf das Luxusdeck wollten, einer genauen Prüfung. Doch wurden wir als Königspaar standesgemäß empfangen und konnten nicht über eine nachlässige Behandlung klagen – bis wir an Deck von Schwarzenberg trafen, diesen elenden Nekromanten – samt seiner Gefolgschaft. Ich hätte ihm am liebsten sofort seinen widerlichen „Sieg heil”-Gruß mit Metall erwidert – aber wir waren ja Gäste. Doch hielten wir es an Deck nicht länger aus und begaben uns in unsere Suite. Jetzt sitze ich hier, schreibe dir diese Zeilen und weiß noch nicht, was der weitere Abend bringen wird. Es soll ein Kapitänsdinner geben, wo wir unsere Gastgeberin kennenlernen sollen. Ich bin mehr als gespannt, was das Ganze soll. Ach, ich vergaß zu erwähnen, dass Alex Pläne von dem Schiff hat, die ihr Björn besorgen konnte – ich nehme an, als Sommerhofangehöriger kann er hier nicht dabei sein. Nicht, dass ich ihn vermissen würde. Jedenfalls ist auf den Plänen zu erkennen, dass sich hier wohl eine riesige Konstruktion befindet, die eine Art fester Beschwörungskreis bildet. Warum und wieso entzieht sich unseren Kenntnissen … noch.

12. April 2019 frühen Morgenstunden auf der Titanic II

1. Abend: Käpt’ns Dinner – Duellforderung

Es ist tiefe Nacht, fast schon morgens. Ich sitze sehr betrunken in meiner Kabine und kann trotzdem nicht schlafen. Ernst-August, es ist … ausweglos. Und das sage ich, der ich Josefine geheiratet habe, meinen Dämon aufgegeben … Aber jetzt. Was für ein abgekartetes Spiel. Als wir abends zum Dinner kamen, erwarteten und zuerst einige weitere Überraschungsgäste. Neben Odin und Sigrun setzen sich uns auf die andere Seite gegenüber: Syltanus, der Drache, daneben Nicodemus Archelone, der Denarier, gefolgt von dem widerlichen Schwarzenberg mit einem Priester. Und das wird dich am meisten interessieren: Auch dein Bruder Karl-Friedrich war dabei. Ja, du liest richtig. Wir befanden uns in einer illustren Gesellschaft von Todfeinden. Und der einzige Grund, warum wir uns nicht alle sofort bis aufs Blut bekämpfen war die Gastgeberin: Mab. Ja, Mab. Die Königin von Luft und Dunkelheit persönlich hatte eingeladen. Und sie sprach das Gastrecht für diesen Abend aus. Du weißt ja, was Mab davon hält, wenn man dies ignoriert.

Und wir waren nur zu einem Zweck hier: Wir sollten ein Ritual durchführen, das ein Tor zu den Outsidern verschließt. Wie es sich anfühlt, wenn die auftauchen, haben wir ja in Berlin erlebt. Ein offenes Tor in diese Welt bedeutet den Tod für zigtausend Menschen. Oder für 3000 Menschen. Denn so viele befinden sich auf diesem Schiff, die wir für das „größere Ganze” opfern sollen, denn es braucht die Lebensenergie von so vielen Menschen, um das Tor zu schließen. Bis auf meine geliebte Gattin ist das für uns undenkbar. Aber auch, dass die Outsider weiter in unsere Welt eindringen. Während des Essens und dem Tanz danach drehten sich meine Gedanken immer wieder wie ein Kreisel um dieses Problem. Im Grunde läuft es darauf hinaus, 3000 jetzt zu töten oder viele Tausende danach sterben zu lassen. 

In meinem Leben habe ich sicher schon mehr als 3000 Menschen getötet. Etwas, was mir früher sehr leichtfiel. Aber jetzt, ohne Dämon, da sehe ich jeden einzelnen Menschen. Jeder ist anders.

Wie zu erwarten, hat die Gegenseite kein Problem damit – doch Mab will, dass wir zusammen entscheiden. Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt als Syltanus immer nur Alex anstarrte – da fragte ich ihn, wie viel Energie denn in ihm stecke. Und er antwortete selbstherrlich: Mehr als die von 3000 Menschen. Ich hatte die Nase so voll von all dem Gerede, kein Ausweg – also habe ich Syltanus zu einem Duell gefordert. Sollte er gewinnen, wäre ich das 1. Opfer von 3000 Menschen. Sollte ich gewinnen, wäre er das Opfer. Höhnisch lachend willigte er ein.

Jetzt sitze ich hier, nachdem ich eine Menge Alkohol in mich reingeschüttet habe – zusammen mit diesem neuen Magier, Klaus, ach nein, Helmut … Netter Kerl. Hat mich hergebracht. Ich bin wohl erst mal eingeschlafen. Aber jetzt sitze ich hier und bin einfach nur wütend. Verdammt. Ich habe Syltanus auch mit dem Drachentöterschwert nichts entgegenzusetzen.

Meine Gedanken kreisen. Wenn ich falle, wird Josefine allein sein am Königshof. Keine Frage, sie wird es schaffen, das hat sie heute Abend bewiesen. Sie war ganz Königin. Für mich schöner noch als Mab. Und sie strahlte eine ruhige Souveränität aus. Vor dem Abendessen habe ich ihr dann noch mein eigentliches Geschenk zum Hochzeitstag übergeben: die Hochzeitskette meiner Mutter. Sie sah wunderschön damit aus.

12. April 2019 Nachmittag auf der Titanic II

2. Tag: Feinde

Was für ein Vormittag. Ich wollte meinen Kopf auslüften gehen und bin an Deck und dort nur knapp einem Mordanschlag entkommen. Was kann man auch naiv sein. Völlig unüberlegt inmitten unserer Feinde – ich hätte mir auch gleich Josefines Anzug mit dem Zielkreuz anziehen können. Schwarzenbergs SS-Schergen. Zum Glück kam Alex dazu und hat mich – mal wieder – gerettet, sonst läge ich jetzt am Grund des Ozeans. Zurück in der Suite entdeckte Alex Abhörzauber an unserer Tür – und verhinderte einen weiteren Anschlag, was aber trotzdem unsere Tür kostete und die halbe Suite verwüstete. 

Mein Freund, Du fehlst hier massiv.

Mit Dir wären wir lange nicht so unvorbereitet hier. Wir waren noch mitten in unseren Diskussionen, als wir Besuch bekamen: Nicodemus, der Denarier. Ich bin bisher tatsächlich noch keinem Denarier persönlich begegnet. Und Nicodemus soll ja der mächtigste unter ihnen sein. Er war jedenfalls formvollendet höflich – und bot mir eine Münze an. Sehr ruhig hat er meine Chancen zusammengefasst, wie sie jetzt gegen Syltanus stehen: ich habe keine. Ja, das ist allen mehr als bewusst. Mit dem Denarier hätte ich unglaublich wertvolle Hilfe und auch Unterstützung. Denn damit käme ein gefallener Engel, der an meiner Seite wäre. Immer. Ich hatte eine Vision von Kameradschaft und die Wärme, die damit einhergeht. Doch Josefine machte sofort sehr deutlich, was sie davon hielt. Auch Alex war eindeutig dagegen. Dankend lehnte ich ab. Nicodemus nahm die Münze wieder und erklärte, er würde das Angebot noch eine Weile aufrechthalten.

Danach – ich gebe es zu, es ist mir unangenehm, Dir davon zu schreiben – überfielen mich Selbstzweifel und ich schüttete mein Herz Alex aus. Ohne Unterstützung würde ich untergehen – und diese Unterstützung war entweder die Münze oder ich muss versuchen, meinen Dämon wieder zurückzubekommen. Denn als Mensch kann ich nichts gegen Syltanus tun. Ich will meinen Dämon nicht zurück. Jetzt da ich Mensch bin, genieße ich diesen Zustand, als sei ich ständig ein wenig betrunken. Aber wenn ich schon einen Dämon wählen muss, dann kann ich auch den mächtigeren nehmen und die Münze wählen. Alex meinte, wenn ich den Dämon wähle, dann könne ich damit umgehen, sie stehe an meiner Seite. Mit einem Denarier würde ich ein Monster Zugang gewähren, gegen das ich nicht bestehen könnte. Ich hielt wieder dagegen, dass ich allein sei und allein meine Dämonen – welchen auch immer – bekämpfen müsse. Irgendwann platze Alex der Kragen und sie warf mir vor, in Selbstmitleid zu ertrinken und zu vergessen, dass ich Freunde habe, die alles für mich tun, wie zum Beispiel sie selbst. Touché. 

Immerhin haben Christine und Helmut eine interessante Entdeckung gemacht: Syltanus scheint von seinem letzten Zusammenstoß mit Alex noch geschwächt zu sein und muss seinen menschlichen Körper täglich mit Infusionen stärken. Also ist er nicht auf der Höhe seiner Macht. Allerdings ist er auch halb so mächtig noch immer übermächtig für mich.

13. April 2019 früher Morgen auf der Titanic II

2. Abend: Käpt’ns Dinner – Mabs Gastrecht

Der zweite Abend gestaltete sich ähnlich wie der erste. Ein endloses Abendessen, gefolgt von Tänzen. Doch mit einem Unterschied: Von Anfang an herrschte eine eher fiebrige Stimmung. Ich habe sofort dem Alkohol zugesprochen. Mir war alles egal. Irgendwann nahm ich wahr, dass Josefine ausgerechnet mit Schwarzenberg tanzte und sich süffisant lächelnd mit ihm unterhielt. Dagegen hatte Mab Helmut zum Tanzen aufgefordert, der anfangs noch sehnsüchtig zu Sigrun schielte, mit der er die letzte Nacht verbracht hatte. Mab wollte wohl demonstrieren, wer hier die Gastgeberin war. Helmut hatte dann auch nur noch Augen für sie. Ich ging Sigrun auffordern. Zur Abwechslung sollte sie einen richtigen Mann in ihren Armen halten.

Plötzlich wurde Schwarzenberg laut und beleidigte Josefine lautstark und griff sie an. Ich wollte bereits mein Schwert ziehen – da klatschte Mab in die Hände, die Musik verstummte und Schwarzenberg wurde von Eis eingeschlossen. Lächelnd wies sie auf das Gastrecht, das sie hier ausgesprochen hatte – und schnippte dann mit ihren Fingern. Und Schwarzenberg zersprang in Tausende von Eissplitter. Hut ab vor meiner Frau, sie hatte Schwarzenberg dazu gebracht, Mabs Gastrecht zu ignorieren. Meine geliebte Schlange. Danach spielte die Musik noch viel lauter auf und irgendwie war dieser Ausbruch an Gewalt wie ein Vorspiel. Noch auf der Tanzfläche fielen Sigrun und ich übereinander her. Mab verschwand mit Helmut und den Rest verlor ich aus den Augen. Irgendwann wachte ich in Sigruns Bett auf. Mein Körper fühlt sich an, als hätte ich tagelang Schlachten geschlagen. Lange habe ich keine solchen Schmerzen mehr gefühlt. Ernst-August sei gewarnt, falls du dir einmal eine Walküre als Bettgefährtin wählst. 

Ich sitze jetzt wieder in meiner Suite und schreibe dir diese Zeilen. Ich habe mein Schwert in diesem ganzen Lusttaumel in Mabs Ballsaal vergessen, doch mir ist so, als hätte Alex das Schwert mitgenommen. Wie immer die Besonnene.

13. April 2019 Nachmittag auf der Titanic II

3. Tag: Verzweiflung

O mein Freund, die Katastrophe ist eingetreten. Mein Schwert wurde gestohlen. Jetzt habe ich Syltanus nichts mehr entgegenzusetzen. Josefine hat die Nacht mit dem Priester dieses elenden Schwarzenberg verbracht, um mehr über die Machenschaften herauszubekommen. Sie hat herausgefunden, dass Schwarzenberg anscheinend einen äußerst starken Diebstabszauber gewirkt hat. Doch bevor sie mehr erfahren konnte, ging der Priester auch schon in Flammen auf – Syltanus hat ihn getötet. Er ist jetzt in dem Besitz des Schwertes. Alle wahnzitzigen Hoffnungen sind dahin. Ohne Schwert kann ich mich direkt zur Schlachtbank führen lassen.

Ach, noch eins, das Dich interessieren wird: Schwarzenberg hatte das vierte Buch Kemmlers in seinem Besitz, das Alex an sich genommen hat.

Wir haben darauf eine Menge Diskussionen geführt. Eine Unterredung mit Odin war auch dabei. Alex fragte ihn, ob er Loki damit beauftragen könne, für uns das Schwert zurückzuholen. Doch er konnte uns nur anbieten, einen Kontakt zu ihm zu vermitteln. Dafür wollte er aber auch das Buch Kemmlers haben. Ich hätte es ihm für weit weniger gegeben, immerhin traue ich ihm mehr, als fast jedem. Doch besonders Helmut wollte davon nichts wissen, aber auch den anderen war es nicht genug. Es ging ja auch nicht um ihr Leben … Alex hat das Buch jetzt verbrannt, also besteht keine Hoffnung mehr, um diese Hilfe zu bitten.

Immerhin habe ich für Christine ein Schutzamulett bei Odin in Auftrag gegeben, damit sie hier an Bord nicht verletzt wird. Sie ist schließlich nur ein Mensch zwischen all den … Monstern. Dafür hat Odin jetzt einen Gefallen bei mir offen. Bei Josefine auch, die für sich auch ein Schutzamulett geordert hat.

Danach kam Nicodemus noch einmal vorbei, um mir die Münze erneut anzubieten. Plötzlich hatte ich wieder eine Vision, wie ich mit Kameraden zusammen auf dem Schlachtfeld stehe, wie wir hinterher gemeinsam am Lagerfeuer sitzen, die Gesellschaft der anderen genießen. Wie Brüder, die alles miteinander teilen. Mich überfiel eine tiefe Sehnsucht. Nie mehr allein. Eine Gemeinschaft, wie sie nur unter Männern möglich ist. Dazu eine Macht, die ihresgleichen sucht. Ich würde Syltanus zerquetschen. Diesmal fiel es mir schwerer, die Münze nicht anzunehmen. Doch als ich Nicodemus auffordern wollte, sie wieder mitzunehmen, kam er mir zuvor. Er erklärte, dass er mir die Münze einfach leihweise überlasse und ich könne mich auch noch später dafür entscheiden. Wenn ich sie doch nicht wolle, könnte ich sie immer noch zurückgeben. Damit ließ er die Münze auf dem Tisch liegen und ging. Ich packte die Münze in ein Taschentuch und steckte sie ein.

Und wieder waren wir kein bisschen weitergekommen. Helmut hatte schließlich die Idee, eine Schiffskapelle aufzusuchen. Ausgerechnet. Aber du wirst das Ausmaß meiner Verzweiflung erkennen, lieber Freund, wenn ich Dir sage, dass ich zustimmte. Auch Christine kam mit. Josefine war kurz nach Nicodemus’ Besuch gegangen, Alex auch.

Also saßen wir zu dritt in einer wirklich charmebebfreiten Schiffskapelle. Nun, hier sollte wohl jeder seinen Gott finden, ohne dabei von schmückendem Beiwerk gestört zu werden. Und tatsächlich hörte ich mich plötzlich beten … Sagen wir, ich fing an „Gott” Vorwürfe zu machen. Wo war er denn, wenn man ihn mal wirklich brauche, wenn 3000 Menschenleben auf dem Spiel stehen, das wäre doch mal ein guter Zeitpunkt, sich blicken zu lassen. Aber nein, er würde sich ja immer schön heraushalten. Genau wie damals, als mich meine Familie auf mein Leben als Weißer Vampir vorbereitete … Am Ende schrie ich fast. Doch da stand auf einmal ein kleines Mädchen neben mir. Es wollte ein Eis essen gehen. Irgendwie schien das genau das Richtige zu sein. Auch Helmut und Christine kamen mit. Es hatte etwas seltsam Tröstliches, in dem kleinen Café zu sitzen und dem Mädchen beim Eisessen zuzusehen – und dann heiße Schokolade zu trinken. Etwas, das ich seit Kindestagen nicht mehr getan habe. Rahel, so hieß das kleine Mädchen, war wirklich entzückend. Es versicherte mir, wie lieb es mich habe.

Als wir drei danach zusammen zur Suite zurückgingen, waren wir alle ruhiger und ich legte die Münze leichten Herzens in den Tresor. Nicht einmal die Tatsache, dass Alex meine geliebte Gattin dabei beobachtet hatte, wie sie mit Syltanus ein Abkommen geschlossen hat, konnte mich aus meiner Gelassenheit reißen. Josefine hat den Drachen dazu bekommen, mich aus dem Duell zu entlassen, wenn diese im Gegenzug alles dafür tut, dafür zu sorgen, dass die Magier am Ritual teilnehmen. Aber ich will ja gar nicht aus dem Duell entlassen werden. Ich weiß, Josefine sorgt sich. Aber den Tod von 3000 Menschen zu verantworten, nein, das kann ich auch nicht. Und obwohl wir keinen Plan mehr haben, bin ich gerade sehr zuversichtlich, während ich Dir diese Zeilen schreibe. Wir müssen uns bereitmachen, für den 3. Abend.

14. April 2019 Tagsüber auf der Titanic II

3. Abend: Winterritter

Mein Freund, Du wirst es ja mitbekommen habe, ich bin wieder Mabs Winterritter. Glaube mir, ich bin so überrascht wie Du. Aber der Reihe nach.

Der letzte Abend brach an, wie die anderen auch. Zuerst das Menü, danach der Tanz. Doch die Stimmung blieb gedrückt. Alles war wie unter einer Schneedecke, leise und gedämpft.

Ich selbst hatte einen Entschluss gefasst. Als es soweit war, forderte ich Mab zum Tanz auf. Ich fragte sie, nach meinem Dämon. Am Anfang des Tanzes schien sie geistesabwesend. Doch als sie verstand, dass ich sie um ein Geschäft bat, gab sie mir zu verstehen, dass sie ihren Winterritter zurückhaben wollte. Ich willigte ein. Sofort verschwand der Ballsaal um uns herum und ich lag mit Mab auf dem Tisch. Nun, Du und die gesamte übernatürliche Welt wart ja Zeuge …

So auch die Gesellschaft im Ballsaal. Wie mir später berichtet wurde, tanzte Alex da gerade mit Syltanus, als alle mitbekamen, was geschah. Syltanus soll vor Zorn geglüht haben und hat Josefine Paktbruch vorgeworfen. Damit löste er offensichtlich einen Fluch aus, der Josefine traf, da diese ja einen bindenden Vertrag mit ihm eingegangen war. Doch wurde der Fluch von Odins Schutzamulett aufgehalten, war aber so stark, dass er die Walküre umwarf, die wohl irgendwie an den Schutz gekoppelt war. Was können wir froh sein, dass Josefine so weitsichtig war, für sich einen Schutz zu beschaffen.

Ich hingegen verbrachte die Nacht auf dem Steintisch. Am Morgen danach schlug mich Mab erneut zu ihrem Ritter – selbst als Winterritter merke ich den Schlag noch immer. Und sie übergab mir ein Schwert. Grimfang. Und erklärte mir, wie ungehalten sie wäre, sollte ich das Duell nicht gewinnen.

Ich sitze jetzt wieder in meiner Suite. Die Karten sind neu gemischt. Josefine ist nicht erfreut. Sie wirft mir vor, dass ich sie alleine lasse. Meine Zusicherung, dass ich ihr auch als Winterritter zur Seite stehen würde, stimmte sie kaum milde. Ja, den Königstitel kann ich nun nicht mehr tragen. Kein Mann kann zwei Königinnen dienen. Aber ich werde es versuchen. Eben kam Nicodemus vorbei und hat die Münze geholt. Er fand meine Entscheidung bedauerlich.

14. April 2019 spät auf der Titanic II

4. Abend: Das Duell + das Ritual

Der letzte Abend brach an. Wir gingen ein letztes Mal zusammen zum Ballsaal, der sehr viel größer als vorher war, eindeutig für das Duell vorbereitet. Ich hatte meinen Winterritter-Rüstung mit Mantel angelegt – so schritt ich zu Mabs Tisch und verbeugte mich vor meiner Königin. Als Gunstbeweis übergab sie mir ihr Tuch – und danach habe ich Syltanus erschlagen. Gleichzeitig haben die Magier das Ritual durchgeführt und so tatsächlich das Tor zu den Outsidern unter einem Eisberg verschlossen. 

Interessantes Detail: Das Ritual war damals beim ersten Untergang der Titanic bereits durchgeführt worden – doch war der Eisberg mittlerweile geschmolzen. Deshalb musste das Ritual erneuert werden. Es scheint, als hätte der Sommerhof damit etwas zu tun. Zutrauen würde ich es ihnen.

Ich werde diesen Brief jetzt beenden. Meine besten Wünsche begleiten Dich und ich hoffe, Du bist wohlauf, aber ich nehme an, Mab wollte nicht, dass Du an unserer Seite weiltest. Es wäre wohl zu einfach gewesen … 

Wir werden uns sicher eine Weile nicht sehen. Du weißt ja, wo Du mich finden kannst. Bitte hab’ ein Auge auf Josefine, sie wird jetzt etwas einsam sein. 

Leb wohl mein getreuer Freund.

Dein Jean-Claude

10 Mai

Der Dolch verschwindet

(SL Karsten)

Jasmin (Katja Sturm: Polizistin bei magischer Spezialeinheit)

Boris (Maximilian Böker: Magiebegabter Schmied)

Tilo (Bernd Thoms: Sohn einer Sylter Sylphe)

Lena (Josefine von Richthofen)

Haushaltswaren-Messe in Berlin. Alex patrouilliert im Wardenmantel um Präsenz zu zeigen. Sie unterstützt den Schmied Max Böker beim Verfeinern seiner magischen Fähigkeiten, in der Hoffnung, dass er eines Tages in der Lage ist Warden-Schwerter zu schmieden. Josefine kommt an Max’ Stand um den restaurierten Säbel ihres Vorfahren (von Richthofen) abzuholen. Ein Wesen mit tellergroßen Händen umringt von Winterfeen taucht auf und will ihr den Säbel abnehmen. Max und Alex können sich den Säbel schnappen, aber es kommt zum Kampf der Winterfeen mit Josefines Bodyguards. Ein paar Sommerfeen enttarnen sich und stiften ebenfalls Chaos. Ein Wintertroll namens Gronk fordert Alex zum Duell. Alex darf Ort und Waffen wählen. Sie bestimmt Max zu ihrem Sekundanten.

Die Polizistin Katja Sturm kontaktiert Alex. Sie habe von einem Chinesen (über einen britischen Anwalt) den Auftrag bekommen einen bestimmten Dolch zu finden. (Es handelt sich um den Dolch des Kain.) Alex trifft sich mit ihr in einem von ihr selten besuchten Restaurant und erklärt Katja, dass der Dolch sehr gefährlich sei. Alex schaut in Katjas Seele und als sie von der Aufrichtigkeit der Polizistin überzeugt ist, verrät sie ihr, dass sie den Dolch versteckt hat. Im Restaurant fällt Katja ein Kellner mit merkwürdig unechten Haaren auf. Als Alex ihn mit der Sicht betrachtet, sieht sie eine aufrechtgehende krokodilähnliche Gestalt, die um die Gäste schleicht und eine Uhr und einen Diamantschmuck der Gäste näher zu betrachten scheint. Alex ist sich sicher, dass es sich um einen Vampir des Jade-Hofes handelt. Sie geht zu dem Kellner und stellt sich leise als Warden vor. Der Vampir sagt, sie wisse ja jetzt, wo sie ihn finden könnte. Derweil bekommt Katja eine MMS mit dem Bild ihrer Tochter geschickt und die Nachricht, dass sie den Dolch gegen die Tochter tauschen könne. Alex verspricht Katja zu helfen ihre Tochter zu retten, weigert sich aber den Dolch auszuliefern.

Die beiden Treffen sich mit Josefine, Bernd und Max im Sweet Sixteen-Club. Nach etwas Recherche kommt heraus, dass Josefines Vater die Berliner Mafia kontrolliert und Katjas Tochter von der Mafia gefangen halten wird. Mit einem Ritual kann Alex den Aufenthaltsort der Tochter lokalisieren: ein Plattenbau in Marzan. Derweil hat Josefine den Aufenthaltsort bei ihrem Vater in Erfahrung gebracht.

Die gesamte Gruppe fährt dorthin und unterwegs bittet Josefine Alex eindringlich, keine (destruktive) Gewalt bei der Befreiung anzuwenden. Josefines Vater darf auf gar keinen Fall Verdacht schöpfen, dass Josefine dem Warden die Verbindung zwischen Mafia und Weißem Hof verraten hat. Außerdem will Josefines Vater den Dolch haben.

(Josefine: „Alex, hältst Du mich für ein Monster?; Alex: „Nein, Du bist kein Monster.“)

Das Kind kann relativ unbemerkt befreit werden, erst auf dem Weg aus dem Haus gibt es Ärger, zumal auch Josefines Vater vorfährt um das Kind an einen anderen Ort bringen zu lassen. Josefine lenkt ihren Vater ab, in dem sie ihm verrät, wo der Dolch ist. Sie warnt vorher aber Alex vor ihrem Plan!

Alex bringt Katja, das Kind und Bernd zu Sophia Scholl-Latour, die die Flucht für das Kind ins Ausland organisiert.

Max fährt nach Tempelhof um als Sekundant für Alex das Duell auszutragen. Er gewinnt gegen den Troll und wird zum Star der Winterfeen.

Alex ruft bei Jean-Claude, dem neuen Winterknight, an und lässt ihn um ein Treffen in Köln und den zweiten Schließfachschlüssel bitten. Alex, Katja und Bernd machen sich durchs Nevernever auf den Weg nach Köln. Dort werden sie bereits von Weißen Vampiren erwartet, sie können aber eine Konfrontation vermeiden.

In der Sparkasse wartet bereits Jean-Claude mit einem Duzend Winterfeen. Er ist kalt und abweisend, als Alex ihn aber daran erinnert, dass er sie einmal geliebt hat, überlässt er ihr unauffällig den zweiten Schließfachschlüssel. Alex, Bernd und Katja flüchten zum Schließfach, während hinter ihnen der Kampf zwischen den Weißen Vampiren und dem Winterhof beginnt.

Das Schließfach ist leer! Auch ein Blick von Alex mit der Sicht zeigt, dass der Dolch nicht mehr hier ist. Die drei fliehen durchs Nevernever aus der Sparkasse.

Wo ist der Dolch?

01 Jan

Verrat

SL Karsten

Oder: Verrat und Geburt an den Olympia-Hallen

Ernst-August hat von Alberich für den Herbstmantel einen adäquaten Gefallen erhalten: Das Wissen darum, wie er seine in Ungnade gefallene Frau Agnes von Windsor rehabilitieren kann. Die Informationen beinhalten ein Ritual, mit dem man das Kind vom Wintermantel befreien kann, indem ein Verwandter das Kind mit Magie tötet. Die Alternative, eine normale Geburt, würde die Mutter das Leben kosten, und den Teil des Wintermantels im Kind belassen.

In Berlin ist Josefine hochschwanger und kurz vor der Geburt. Sie verschwindet aus ihrer Wohnung und Jeans Obhut, um ein Neugeborenes zu töten, denn der Hunger in ihr lässt sich von älteren Menschen, deren Lebenskraft nicht mehr so stark ist, nicht mehr stillen – sie muss sich von Kindern ernähren, und sie kann sich nicht mehr zurückhalten. Tatsächlich beginnt das Kind in ihr, sich von Josefine zu ernähren und sie langsam zu töten. Die mystischen Prognosen für die Geburt bestätigen Alberichs Worte: wird dieses Kind geboren, muss Josefine sterben.

Ernst-August und Jean suchen nach Alternativen, die Mutter UND Kind retten, doch beider Priorität liegen auf der Mutter. Auf der anderen Seite gehen Josefines Hormone mit ihr durch, sie versucht um jeden Preis, ihr Kind zu bewahren.

Ernst-August, Alex und Jean gehen einen Handel mit Agnes ein: Sie bringt den Winter-Knight zuverlässig an eine bestimmte Stelle, damit Jean ihn so weit in Bedrängnis bringen kann, dass er auf die volle Macht des Wintermantels zurückgreifen muss – auch den Teil, der im Kind ruht. Das Ritual, das Alex und Ernst-August parallel abhalten, soll Mutter und Kind soweit schützen, dass man sie retten kann. Der Preis dafür: Das Kind soll Agnes übergeben werden und bei ihr aufwachsen. Im Gegenzug soll Ernst-August mit Agnes ein Kind zeugen, das wiederum in der Familie von Richthofen aufwächst. Jean wird beider Kinder Pate.

Als Josefine von den Plänen Wind bekommt, ist sie verzweifelt: man hat sie zu dem Schicksal ihres eigenen Kindes nicht einmal befragt. In ihrer Not ruft sie ihren Vater zu Hilfe und verrät den Plan der Freunde –  gibt dabei aber zu, dass alles geschieht, um ihr Leben zu retten. Der Vater, Manfred Alexander von Richthofen, schreitet zur Tat und zieht alle weißen Vampire der Familie ab, um eine schlagkräftige Armee aufzustellen. Sein Hauptgrund: Jean nimmt ihm in Berlin zum wiederholten Mal das Heft der Entscheidungsgewalt aus der Hand. Er muss handeln, um nicht als Witzfigur in der eigenen Familie dazustehen. Doch Jean wird misstrauisch und verlegt den Ort des Rituals kurzfristig.

So kommt es, dass alles geschieht wie geplant. Alex und Ernst-August halten das Ritual ab. Agnes bringt den Winterritter. Jean geht mit ihm ins Duell. Josefine opfert rituell ihre Fruchtbarkeit. Die Geburt schreitet fort, Josefine stirbt für einen kurzen Moment. Das Teil des Mantel des Winterritters wird gleichzeitig aus dem Kind herausgesogen.  Alex nimmt das Kind auf und überreicht es Agnes, obwohl Josefine sie anfleht, es nicht zu tun.

Doch ein feines Detail läuft falsch: Von Alex‘ Angriff umgeworfen und von Jeans Schwert durchbohrt stirbt Lloyd Slate durch Jeans Hand. Der Wintermantel löst sich vollständig und schwebt frei; Alex schubst ihn mit einem Windstoß vom Kind weg – direkt auf Jean zu. Der wird umhüllt und akzeptiert dessen Bürde.

Agnes verschwindet mit dem Neugeborenen ins Nevernever. Ihre letzten Worte an Ernst-August: „Die eine Seite des Handels ist erfüllt. Nun muss die andere Seite gewahrt werden.“

Als der Hof der Weißen Vampire erscheint, öffnet Ernst-August ein Tor nach Arctis Tor. Er streckt der völlig geschwächten, verzweifelten und wütenden Josefine die Hand hin und beschwört die Freundschaft der kleinen Gruppe. Mit der Aussicht darauf, ihr Kind zu sehen, folgt Josefine trotz ihres Verrats.

In Arctis Tor jedoch ist alles anders. Das Kind ist nirgendwo zu finden. Mab hält Hof für die Inauguration des Winterritters. Der Winterhof wartet nur auf einen Fehler des neuen Ritters und testet seine Macht aus. Während Josefine einen Sidhe verführt und herausfindet, wo Agnes ist – sie steht als Eisstatue im Wintergarten von Königin Mab.

Mab hat dadurch, dass sie Agnes eingefroren hat, sämtliche Lehnspflichten ihrer Lehnsfrau auf sich genommen. Dazu gehören die Sorgfaltspflicht für Josefines Kind – aber auch das Zeugen eines neuen Kindes mit Ernst-August, das dann der Familie von Richthofen gegeben wird.

Die Geschichte wiederholt sich also: Erst vollzieht Mab mit dem Winterritter die rituelle Hochzeit auf dem Stein des Sehens, bei dem alle mystischen Wesen auf magische Weise zuschauen können, dann leistet Ernst-August Mab den Beischlaf. Ein Kind wird gezeugt, dass aus den Ehepflichten entspringt und doch nicht Agnes‘ Schoß entspringt.

Man kehrt in dem sicheren Verständnis nach Berlin zurück, dass sich alles verändert hat – auch die Beziehungen zwischen den Freunden.