18 Mai

Sophias Brief an Max

Berlin, 17. Mai 2020

Lieber Max,

ich sitze bei Ernst-August im Haus und schreibe dir einen Brief. Dabei sitzt du nur wenige Räume weiter. Aber ich habe gerade das Bedürfnis dazu.

Du hast mich gefragt, wie Gott all das Unrecht zulassen kann. Warum er nicht eingreift. Ich habe darauf nicht wirklich eine Antwort. Denn ich kenne seine Pläne nicht.  Wie du ja weißt, lenkt Gott meine Schritte dahin, wo ich gebraucht werde. Aber was ich dann dort tue, ist immer meine Entscheidung. Und auch ich habe gezweifelt und auch ich bin gestrauchelt. Ich bin nur ein Mensch, der versucht, das Richtige zu tun.

Wofür ich ihm immer dankbar sein werde, ist, dass ich dich kennenlernen durfte. Du bist ein so tapferer und starker Mann, der in höchster Not einen Pfad einschlug, der in das tiefste Dunkle hätte führen können. Aber du hast dem widerstanden, du konntest dieser Versuchung entsagen. Das verlangt so viel Mut. Dafür bewundere ich dich. Du sagtest, du kannst noch nicht wieder beten. Ich glaube für dich mit. Denn ich weiß, dass du ein gutes Herz hast. Nur – du musst davon auch überzeugt sein. Du sagtest, du fühlst dich hilflos im Angesicht des Bösen. Doch es ist nicht mein Schwert oder Alex’ Zauber, die einem Denarier entgegentreten – es ist ein mutiges Herz.

Das heißt nicht, dass du nicht versucht werden wirst und es heißt auch nicht, dass du nicht auch mal eine falsche Entscheidung triffst – aber ich glaube fest daran, dass du letztendlich immer wieder auf den rechten Weg zurückfinden wirst, denn es ist der Weg der Hoffnung – dein Weg.

Ich glaube an dich
Sophia

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