18 Mai

Sophias Brief an Alex

Berlin, 17. Mai 2020, im Haus von Ernst-August

Liebe Alex,

während du mit Ernst-August zu Josephine gefahren bist, habe ich das Kleid für heute Abend anprobiert. Ich habe ein seltsames Gefühl dabei. Ich habe dir ja bei unserem Gespräch gesagt, dass ich nie so geliebt habe wie du – also nicht einen Mann. Die Liebe zu Gott ist eine andere. Aber wenn ich jetzt an Zagreus denke … ihn hätte ich lieben können. 

Falls ich nicht zurückkehren sollte – ich weiß auch nicht, warum ich das denke, aber als Ritterin des Kreuzes muss man immer auf alles gefasst sein – möchte ich dir danken, dass du meine Freundin bist Ich schreibe bist, denn ich werde, egal, was passiert, bei dir bleiben, denn ich weiß, die Liebe zu Gott ist groß und seine Wege sind unergründlich.

Ich würde gern öfter mit dir Zeit verbringen, aber unsere Leben lassen uns kaum die Zeit dazu. Gott schickt mich auf so viele verschlungene Wege, aber wenn du dabei bist, weiß ich, alles wird gut. Ich hätte noch gern mehr Gespräche im Schlafanzug nebeneinander im Bett mit dir geführt … Ich hatte gehofft, du wohnst wieder eine Weile bei mir. Aber ich glaube, das ist nur eine schöne Vorstellung, denn dieses Bild verblasst bereits. 

Alex, du hast so ein großes Herz und ich danke dir, dass ich darin Platz gefunden habe. Ich muss an unser Gespräch denken. Vielleicht ist Björn nicht der Richtige … Vielleicht ist er es. Die Liebe ist nie eine Garantie. Lieben kann man nur einseitig. Wenn sie erwidert wird, ist das ein großes Glück. Wenn derjenige das nicht tut, ja, das tut weh. Aber verschließe dein Herz nicht, denn es wird jemand kommen, der es wert ist, darin zu wohnen. Ich rücke dann auch etwas zu Seite 😉 

Und wenn es dir möglich ist, hab ein Auge auf Max, wenn ich es nicht kann. Er ist ein guter Mensch, doch er traut noch nicht genug auf sich. Manchmal braucht man eine Freundin, die an einen glaubt.

Ich werde diesen Brief Jakob geben, der wird wissen, ob und wann er ihn aushändigen soll. Vielleicht wird er ihn auch einfach verbrennen.

Dieses rote Kleid, ich bin gespannt, was du dazu sagst. Auf einen Abschlussball bin ich auch nie gegangen. Das würde ich gerne noch mit dir machen – auf deiner oder meiner Hochzeit tanzen. Wer weiß, wohin unsere Wege uns noch führen – wohin der Herr mich lenkt. 

Deine Sophia

P.S. Ich summe schon die ganze Zeit eine Zeile aus Major Tom 
I’m stepping through the door
And I’m floating in a most peculiar way
And the stars look very different today

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