09 Jan

Brief von Jean-Claude an Ernst-August, 2. Seite

Dezember, der 19., Chez Baptiste, Landgut in Burgund, 2. Seite

So viel zu dieser Auktion um das Buch der Namen und wie wir es vernichtet haben. 

Die Neuigkeit um Deinen Bruder Karl-Friedrich ist allerdings besorgniserregend. Immerhin kann auch ich sagen, dass ich den Vampir-Fluch entsagen konnte. Doch ich kann in keinster Weise einschätzen, was daraus erwächst. Dass Dein Bruder plötzlich ein Guter wird, nein, daran glaube ich nicht. Vorher war er ein berechenbares Übel, jetzt ist er das nicht mehr. Und das macht ihn meiner Meinung nach noch gefährlicher.

Ich halte auch die Verbindung mit meiner Gattin Josefine für höchst unberechenbar. Heute ein Spielzeug, morgen tot – oder bewahre uns alle davor: eine Liebelei.

Mein lieber Freund, ich kann nicht erahnen, welche Gefühle das in Dir wecken muss, dass Dein Bruder nun kein Monstrum mehr ist. Auf meinem Landgut hier bauen wir einen hervorragenden Burgunder an. Komm vorbei, wenn Du einen guten Schluck brauchst.

Soweit es meine Pflichten bei Mab zulassen, werde ich hier anzutreffen sein. Ich habe beschlossen, Berlin erst einmal den Rücken zu kehren. Die Streitigkeiten mit Josefine sind zu zermürbend. Ihre Tändeleien und ihre Sprunghaftigkeit, die ich früher bezaubernd fand, stoßen mich mehr und mehr ab. Ich wünsche mir jemanden Verlässliches an der Seite, das kann mir aber Josefine nicht geben. So wie ich ihr auch nicht das geben kann, was sie möchte: einen König an ihrer Seite. 

Ein Freund hat mich gefragt, ob ich mit ihm nach Aleppo komme, einen Konvoi Ärzte ohne Grenzen begleite. Etwas Simples nur für Menschen tun. Scheint sehr verlockend.

bientôt, ton ami Jean-Claude

P.S. Falls Du mich nicht über das Telefon erreichst, kontaktiere meine Anwälte: Claude & Sarkozy, Boulevard Malesherbes à Paris

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